Naturnahe Grünflächenpflege im öffentlichen Raum sowie das naturnahe Gärtnern im privaten Raum bedeutet, dass der Natur im sonst sehr gepflegten Bereichen Platz eingeräumt wird. Dies kann von kleineren wilden Ecken über ganze Gärten, bis hin zu ganzen Parkanlagen reichen. Wichtig ist ebenfalls der Verzicht auf Pflanzenschutzmittel sowie mineralische Düngemittel. Durch wilde Bereiche entstehen neue Lebensräume oder zu mindestens sogenannte Trittsteinbiotope. Solche Bereiche sind von essentieller Bedeutung für Tiere, um sich mit anderen Individuen aus weiteren Lebensräumen zu vernetzen. Denn nur durch den stetigen (genetischen) Austausch kann eine Population dauerhaft erhalten bleiben. Sollen für die heimischen Tiere attraktive Lebensräume geschaffen bzw. entwickelt werden, ist den heimischen Pflanzen als Wildwuchs oder auch als Anpflanzung eine besondere Bedeutung zuzumessen.

Die Bedeutung heimischer Pflanzen

Heimische Pflanzen und Tiere teilen häufig eine bis zu Millionen Jahre andauernde Coevolution. Das heißt, dass deren Leben und Überleben durch Wechselbeziehungen und ständige gegenseitige Anpassungen geprägt sind. Beispielsweise Wildbienen und Blütenpflanzen haben sich in stringenter Abhängigkeit voneinander entwickelt. Und das bereits seit 120 Millionen Jahre! Die Bienen sind abhängig von der Nahrung, die die Pflanzen spenden, umgekehrt ist die Pflanze zum Teil abhängig von der Bestäubung durch die Biene. Beide Spezies können ohne die andere nur schwer überleben. Einzelne Elemente einer solch langen Erfolgsgeschichte, können nicht „einfach so“ ausgetauscht werden.
Viele Wildbienen sind oligolektisch, das heißt, dass diese Nahrungsspezialisten sind und auf eine spezifische Pflanzenfamilie, -gattung oder -art angewiesen sind. Fehlen diese Pflanzen in einem Gebiet, kann die entsprechend Wildbiene dort nicht überleben. Wenn die Bienen dann noch besondere Ansprüche an ihren Nistplatz haben, z. B. natürlicher Sandboden oder Totholzstrukturen, landen die entsprechenden Arten schnell auf der Roten Liste.

Seidenbiene (Colletes spec.) © Dr. Hendrik Albrecht – Oligolektische Wildbienen, die im Wesentlichen auf Korbblütler (Asteraceae) spezialisiert sind. Hierbei bevorzugen sie etwa den Rainfarn (Tanecetum vulgare). Ist dieser nicht vorhanden, werden aber gerne auch andere Asteracea genutzt, wie hier die Färberkamille (Anthemis tinctoria).

 

Kleiner Fuchs (Aglais urticae) © Dr. Hendrik Albrecht – Ausgewachsene Tiere (Imagines) ernähren sich vom Nektar verschiedener Pflanzen, während sich die Larven fast ausschließlich von der Großen Brennnessel (Urtica dioica) ernähren.

Nicht-heimische Gartenpflanzen können Tiere und Pflanzen gefährden

Besonders problematisch kann die Verwendung einiger nicht-heimischer Zierpflanzen werden, wenn diese sich invasiv verhalten, also in der Lage sind, heimische Pflanzen in derer natürlichen Umgebung zu verdrängen. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera). Diese Pflanze wurde ursprünglich als Zierpflanze eingeführt und findet sich an feuchten bis nasse Standorte. Sie wächst sehr schnell in die Höhe und produziert eine unglaublich große Anzahl an Samen (bis zu 4.300 pro Pflanze) und ist somit heimischen Pflanzen weit überlegen. Dadurch bildet das Springkraut große Reinbestände in ökologisch sensiblen Biotopen, wie z. B. entlang der Ufer von Fließgewässern oder in Auenbereichen. Einheimische Pflanzen werden verdrängt und somit die Artenvielfalt in den entsprechenden Bereichen dezimiert. Insektenarten die auf bestimmte Pflanzen angewiesen sind, wie z. B. oligolektische Wildbienen, verlieren ihre Nahrungsgrundlage, sodass diese in letzter Konsequenz ebenfalls verschwinden.

Naturnahe Grünflächen und Naturgärten als Klimaschutzmaßnahme

Auch im Hinblick auf den Klimaschutz können naturnahe Grünflächen und Gärten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag leisten. Insbesondere, wenn eine naturnahe Grünflächen- / Gartenpflege den modern gewordenene Schottergärten vorgezogen werden. Wie bereits im Zusammenhang mit Wiesen erläutert (Querlink), können extensiv gepflegte Wiesen den lokalen Klima- und Wasserhaushalft positiv beeinflussen und dabei als natürliche Klimaanlage fungieren. Im Gegensatz zu Schottergärten, heizen begrünte Flächen im Tagesverlauf nicht so stark auf. Je mehr Bewuchs vorhanden ist, desto mehr Wasser wird aus dem Boden an die Atmosphäre transportiert. Hierdurch entsteht ein Kühleffekt, sodass die Flächen deutlich schneller abkühlen, als Schotter oder versiegelte Flächen. Naturnahe Grünflächen und Gärten können also wesentlich zu einem angenehmeren lokalen Klima, insbesondere im Siedlungsbereich, beitragen.
Da der voranschreitende Klimawandel auch angepasste heimische Pflanzen vor größeren Herausforderungen stellen kann, können naturnahe Grünflächen und Gärten, in denen heimische Pflanzen einen Lebensraum haben, nicht nur dem Klimawandel entgegen wirken, sondern auch zum Erhalt der heimischen Pflanzen und Tierwelt beitragen.

Maßnahmen

  • Staudenbeet à la Wildbienengarten.de
  • Naturnahe Grünflächen und Gärten sind ein Gesamtbild aus vielen kleinen Maßnahmen:
  • Quelinks
  • Wiesen
  • Obstwiesen
  • Wibi-Hügel
  • Steinhaufen
  • Nisthilfen

Weiterführende Literatur und Links

 

 

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