Lavasandtagebau in der Vulkaneifel
 
Durch die extensive Pflege von Grünflächen, das Pflanzen heimischer Stauden und die Schaffung von Obstwiesen, wird das Nahrungsangebot für Tiere erheblich erhöht. Viele Insektenarten finden bereits auch dort Fortpflanzungs-Möglichkeiten. Grashüpferarten etwa, legen ihre Eier an Gräsern ab, von denen sie sich auch ernähren. Ebenso legen Schmetterlinge ihre Eier an Pflanzen ab, wo die Raupen schlüpfen und unmittelbar Nahrung finden. Später können sie sich dort verpuppen und zu den prachtvollen Faltern heranwachsen. Andere Insekten wie z. B. Wildbienen oder Grabwespen benötigen weitere Strukturen innerhalb oder unweit der Nahrungshabitate, um sich erfolgreich fortzupflanzen.
 

Wildbienen im Boden

Mit dem gesteigerten Bewusstsein in der Öffentlichkeit für den Insektenschutz, ist auch der Absatz der sogenannten Insektenhotels erheblich in die Höhe gegangen. Die, die nicht völlig ungeeignet sind, stellen Hohlräume zur Verfügung. Solche Hohlräume können von einigen Wildbienen- und Wespenarten genutzt werden. Dabei ist jedoch wichtig zu wissen, dass nur etwa 25% aller heimischen Wildbienenarten in Hohlräumen nisten. Wildbienenhäuser, die solche Hohlräume anbieten werden zudem in der Regel von ohnehin sehr häufigen Wildbienenarten genutzt. Verlässlich trifft man an entsprechenden Nisthilfen z. B. die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) oder die Hahnenfuß-Scherenbiene (Chelostoma florisomne) an. 
Zweidrittel aller Wildbienenarten bauen ihre Nester im weitesten Sinne im Boden. Dabei variieren die Ansprüche an die jeweiligen Erdreiche erheblich. Manch Wildbienen nisten im Sand, andere wiederrum kümmern sich wenig um die Beschaffenheit des Bodens, solange sie dort graben können. Dann sind schon offene Bodenstellen auf Weiden ausreichend oder offener Boden zwischen Stauden im Gartenbeet. Weitere Wildbienen nisten in Böschungen oder in natürlichen Ufersteilwänden oder Abbruchkanten. 
Letztlich nisten auch die staatenbildenden Hummeln meistens im Boden. Wobei diese Hohlräume besiedeln, die z. B. aus (verlassenen) Mäusehöhlen resultieren.
Um den Wildbienen auch im Siedlungsraum entsprechende Nistmöglichkeiten zu schaffen bedarf es häufig künstlich angelegter Nisthügel. Aber auch das bewusste offenhalten offener Bodenflächen trägt schon erheblich zum Schutz der bodennistenden Wildbienenarten bei.
 
 
Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae) (links) und Sandbiene (Andrena spec.) (rechts) © Dr. Hendrik Albrecht

Wildbienen in der Vulkaneifel

Die Vulkaneifel ist, wie der Name schon besagt, landschaftlich durch Vulkane geprägt. Stellenweise sind die Vulkane im Zuge des Rohstoffabbaus verschwunden und geblieben sind tiefe „Narben“ in der Landschaft. 
Durch den Abbau der Rohstoffe (Kalkstein, Tuff und Lavasand) sind vielerorts Abbruchkanten und Steilwände in der Landschaft entstanden. Im Bezug auf Wildbienen und anderen Hautflüglern (Hymenoptera) stellen dies Sekundärbiotope dar, sodass diese Lebensraumtypen eine ungeahnte Artenvielfalt aufweisen (bspw. Cölln & Jakubzik, 2016).
Zum Erhalt und Schutz dieser Biodiversität, sollten aufgegebene Tagebauten gezielt gepflegt und erhalten werden sowie ein natürliches Umfeld geschaffen werden. Durch die sogenannte Rekultivierung, die oftmals mit Abböschung der Steilwände und / oder Verfüllung der Abbaustätten einhergehen, würden viele wertvolle Lebensräume wieder zerstört werden. 

Wildbienen und das Klima

Der Klimawandel beeinflusst unser Wetter erheblich. Wetterextreme, wie Starkregenereignisse, Dauerregen und im Gegensatz dazu extreme Hitzewellen und Dürren sind längst im Hier und Jetzt angekommen. Diese veränderten Klima- und Wetterbedingungen haben negative Einflüsse auf Lebensräume.  Sie können Nahrungsgrundlagen zerstören oder mittel- und langfristig für Veränderungen der Pflanzenartenzusammensetzung sorgen, sodass insbesondere Nahrungsspezialisten vor größeren Problemen stehen könnten. 
Merklich ist auch eine Verschiebung der Jahresezeiten bedingt durch Temperaturverschiebungen im Jahresverlauf. Durch diese Verschiebungen können sich der Blütezeitpunkt von Pflanzen und die Schlupfzeit der Wildbienen verschieben, sodass die Pflanzen z. B. bereits verblüht sind, wenn die Wildbienen schlüpfen. Die Konsequenz: die Blüte wurde nicht bestäubt, die Pflanze vermehrt sich nicht und der geschlüpften Biene entgeht Nahrung. Im schlimmsten Fall handelt es sich um eine spezialisierte Wildbiene, die auf dieses spezielle Pflanze angewiesen ist.
Betrachtet man solche komplexen Zusammenhänge, sollte jedem bewusst sein, dass Klimaschutz gleich Artenschutz ist und umgekehrt effektiver Artenschutz nur gelingt, wenn das Klima effektiv geschützt wird.

Maßnahmen

1. Anlage Wildbienenhügel 
Sonnenexponierte Fläche umgraben, Pflanzenmaterial inklusive Wurzeln beseitigen
Je 1 m³ Lehmigen Boden und Sand mischen (50 : 50)
Gemisch schichtweise in flacher Kegelstumpfform auf umgegrabene Fläche auftragen und die Schichten etwas verdichten
Nach Südosten exponierte Seit mit Spaten anstechen und eine künstliche Abbruchkante (Böschung) schaffen
Fläche optional mit Steinen abgrenzen
Regelmäßig von aufkommenden Bewuchs befreien
 
2. Offene Bodenstellen (Beete)
Sonnenexponierte Fläche umgraben und von Bewuchs inklusive Wurzeln befreien
Sehr festen Boden mind. Spatentief mit etwas Sand vermengen, um den Boden etwas aufzulockern
Regelmäßig Aufwuchs beseitigen
Fertig!
Alternativ bei Platzmangel: Größere Tontöpfe > 20 cm Durchmesser mit Erd-Sand-Gemisch befüllen und an einem vollsonnigen Standort aufstellen
Fertig!

Beobachtungsmöglichkeiten

Weiterführende Literatur und Links

  • Cölln, K. & Jakubzik, A. (2016): Katalog der Wespen und Bienen des Landkreises Vulkaneifel als Grundlage einer Analyse zur Bedeutung von Abgrabungen für den Artenschutz (Hymenoptera Aculeata), Dendrocopos 43: 7-39, Trier.
  • www.aculeata-rlp.de
  • Wildbienen.info
  • Wildbienenwelt.de
  • www.bienabest.de
  • www.wissenschaft.de

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