420 Millionen Jahre Erdgeschichte der Vulkaneifel
Auch wenn die letzte Eruption mehrere Tausend Jahre zurückliegt, zeigt die Region geologisch weiterhin vulkanische Aktivität – etwa durch Kohlenstoffdioxid-Austritte und zahlreiche kohlensäurehaltige Mineralwasserquellen, die auf magmatische Tiefenprozesse im Untergrund hinweisen.
Doch der Vulkanismus erzählt nur das jüngste Kapitel der Erdgeschichte. Unsere geologische Zeitreise führt uns zurück in das Devon, in dem die Grundlagen der heutigen Landschaft gelegt wurden. Viele der hier beschriebenen Prozesse lassen sich in der Vulkaneifel an verschiedensten Standorten nachvollziehen: die Ausflüge in die Erdgeschichte.
Devon: 419–359 Millionen Jahre vor heute
Unterdevon
Die Vulkaneifel liegt zu dieser Zeit in einem ausgedehnten Meeresbecken südlich des Old-Red-Kontinents. Flüsse transportieren große Mengen an Sand, Silt und Ton vom Kontinent in dieses Becken. Über Millionen Jahre lagern sich diese Sedimente in über Tausend Metern mächtigen Schichten ab und verfestigen sich zu den Gesteinen, die heute den Untergrund der Region bilden.
Mitteldevon
Die Region befindet sich weiterhin in äquatornaher Lage. Warme, flache Schelfmeere prägen das Bild. In diesen Meeren entstehen mächtige Kalkablagerungen und Riffstrukturen, die von einer reichen Tierwelt besiedelt sind. Fossilien von Brachiopoden, Trilobiten, Korallen und Seelilien zeugen noch heute von diesem tropischen Lebensraum.
Besonders charakteristisch sind Riffbildungen durch Stromatoporen. Aus ihnen entstehen später durch Umwandlungsprozesse Dolomite, die heute als markante Felsformationen, wie etwa in den Gerolsteiner Dolomiten, sichtbar sind.
Oberdevon
Die karbonatische Sedimentation setzt sich zunächst fort, wird jedoch zunehmend von klastischen Ablagerungen überprägt. Damit kündigt sich bereits der Übergang zu einer Phase tiefgreifender tektonischer Veränderungen an.
Karbon: 359–299 Millionen Jahre vor heute
Während des Karbons entsteht das Variszische Gebirge, das den heutigen Unterbau der Eifel bildet. Plattentektonisch betrachtet stoßen die Kontinente Laurussia im Norden und Gondwana im Süden gegeneinander und schieben die dazwischenliegenden Meeresräume zusammen.
Perm: 299–252 Millionen Jahre vor heute
Das Variszische Gebirge hebt sich nicht als geschlossene Einheit, sondern besteht aus einzelnen Schollen, zwischen denen sich schmale Senken ausbilden - wie eine wellige Tischdecke. In den Hochgebieten setzt Erosion ein, und der abgetragene Schutt wird in die tieferliegenden Senken transportiert. So entsteht die sogenannte Eifeler Nord-Süd-Zone, in der bis heute die Kalkablagerungen aus dem Mitteldevon erhalten bleiben konnten.
In der Wittlicher Senke führen trockene Klimabedingungen zur Ablagerung roter Sedimente (Rotliegend), die von Flusssystemen aus den umliegenden Hochgebieten eingebracht werden.
Trias: 252–201 Millionen Jahre vor heute
Das Variszische Gebirge ist bereits in großen Teilen von Erosion abgetragen. Flusssysteme transportieren weiterhin Sedimente in die Senkenräume. Zunächst entstehen grobkörnige Konglomerate und rote Sandsteine des Buntsandsteins. Später kommt es zu einer flachen Meeresüberflutung, in der sich Kalksedimente des Muschelkalks ablagern.
Heute sind Buntsandstein und Muschelkalk in der Vulkaneifel nicht mehr flächendeckend erhalten, sondern nur noch in den Kalkmulden der Eifeler Nord-Süd-Zone oder im Oberbettinger Graben. Südwestlich des Meerfelder Maares bildet der Buntsandstein eine markante Landschaftsstufe und leitet in den Sedimentationsraum der Trierer Bucht über. Keuperschichten sind im Gebiet der Vulkaneifel nicht mehr vorhanden.
Jura: 201–145 Millionen Jahre vor heute
Der sich in der Jura ausbreitende Überflutungsraum des Pariser Beckens erreicht nicht mehr die Vulkaneifel. Das Gebiet war zu hoch liegend und damit Abtragungsgebiet.
Kreide: 145–66 Millionen Jahre vor heute
Auch wenn große Bereiche Europas unter Wasser liegen, herrschen in der Eifel weiterhin festländische Bedingungen. Die Meeresüberflutungen der Kreidezeit erreichen das Gebiet der Vulkaneifel nicht. Kreidezeitliche Gesteine fehlen bis auf zwei Ausnahmen, die allerdings vulkanischen Ursprungs sind. Aus der Kreidezeit sind in der Wittlicher Senke zwei vulkanische Schlotfüllungen erhalten geblieben: der Neuerburger Kopf und der Lüxemberg. Die eigentlichen Vulkangebäude wurden längst durch Erosion abgetragen.
Tertiär (Paläogen, Neogen): 65 – 2,6 Millionen Jahre vor heute
In der Tertiärzeit war die Vulkaneifel ein noch sehr flaches Gebiet mit wechselnden Festlands- und Flachmeerbedingungen. Klimatisch überwog ein warmes Klima mit umfangreicher, tiefer Verwittterung der Gesteine. Eine erste intensive vulkanische Phase (ca. 45 – 35 Millionen Jahre) setzt im Tertiär ein. Zu den bekanntesten Zeugnissen dieser Phase gehört das etwa 44 Millionen Jahre alte Eckfelder Maar, das heute zu den bedeutendsten Fossillagerstätten Europas zählt.
Vor rund 2 Millionen Jahren setzt eine bis heute anhaltende Hebung ein, in deren Folge das heutige Flussnetz entstand mit teilweise tief eingegrabenen Tälern, wie das Ueßbachtal.
Quartär: 2,6 Millionen Jahre vor heute bis heute
Mit Beginn des Quartärs vor 2,6 Millionen Jahren verändert sich das Klima in regelmäßigen Zyklen aus Kalt- und Warmzeiten. Auch wenn die Vulkaneifel selbst nicht vergletschert war, prägten frostige Bedingungen die Landschaft deutlich. Permafrost, Frostsprengung und starke Erosion und anhaltende Hebung des Geländes formten Täler, Hangstrukturen und Lockersedimente.
Eizeitliche Relikte finden sich auch heute noch in den sogenannten Frostmusterböden mit z.T. mehrere Meter tief reichenden Eiskeilen, wie sie am Wartgesberg bei Strohn/Trautzberg zu sehen sind.
Vor 12.000 Jahren endete die letzte Kaltzeit und seither befinden wir uns in der warmzeitlichen Epoche des Holozäns, dem jüngsten Zeitabschnitt des Quärtärs. Für die Vulkaneifel namensgebend ist die vor rund 700.000 Jahren beginnende jüngste Phase des Eifel-Vulkanismus. Bis heute sind ca. 353 Vulkane entstanden. Die meisten sind Schlackenkegel mit und ohne Lavastrom, besonders sind jedoch die bisher 102 wissenschaftlich nachgewiesenen Maarvulkane. Die Formenvielfalt der Maare reicht von den jungen mit wassergefüllten über die heute statt eines Sees nur noch Feuchtgebiete und Moore enthaltenden Maare bis hin zu den nur noch über Geländebefunde und mittels geophysikalischen Methoden nachweisbaren Trockenmaaren. Einige Maare beinhalten geschichtete Sedimente, die als Klima-Archiv große Bedeutung innehaben.
Die Vulkaneifel – das klassische Maargebiet der Erde
Die Erforschung der Maare blickt auf eine über 200-jährige Wissenschaftsgeschichte zurück. Der Begriff „Maar“ stammt aus dem lokalen Sprachgebrauch der Eifel. Von hier aus fand er Eingang in die internationale Fachsprache. Aufgrund ihrer außergewöhnlichen Dichte und Vielfalt gilt die Vulkaneifel weltweit als Referenzgebiet der Maarforschung (locus typicus) und erhielt dafür die Anerkennung als UNESCO Global Geopark.
Die Landschaft heute
Die heutige Vulkaneifel ist das Ergebnis eines Zusammenspiels aus uralter Gesteinsbildung, tektonischer Hebung, langandauernder Abtragung und geologisch sehr jungem Vulkanismus. Diese Überlagerung macht sie zu einer der vielfältigsten Landschaften Mitteleuropas.
Die ausgeprägte Geodiversität mit ihren unterschiedlichen Gesteinen, Formen und geologischen Strukturen bildet dabei die Grundlage für eine ebenso hohe Vielfalt an Lebensräumen. Diese geologische Vielfalt spiegelt sich unmittelbar in einer reichen Biodiversität wider: Wälder, Moore, Trockenstandorte, Gewässer und vulkanisch geprägte Sonderstandorte stehen hier in engem räumlichem Nebeneinander und machen die Vulkaneifel auch ökologisch zu einer außergewöhnlich vielfältigen Landschaft.
Die erdgeschichtliche Vergangenheit der Vulkaneifel ist sehr detailliert wissenschaftlich in zahlereichen Publikationen aufbereitet worden mit umfangreichen Literaturangaben. Einige hier als Auswahl:
Meyer. W. (2013): Geologie der Eifel,- 4. Auflage, Schweizerbart Stuttgart
