Interner Bereich

   
Premiere für die Region: Die Schule in Gillenfeld soll die erste Naturpark-Schule in der Vulkaneifel werden. Grundsätzlich sind für die Bildungseinrichtung die Themen Natur und Gesundheit Schwerpunkte beim Erarbeiten eines veränderten Profils.

Gillenfeld. Wenn es immer weniger Schüler gibt und daher die Konkurrenz unter den Schulen immer härter wird, muss man sich etwas einfallen lassen, um sich ein besonderes Profil zu geben. Das tut die Grund- und Realschule plus in Gillenfeld seit einiger Zeit. "Guter Unterricht allein reicht eben heute nicht mehr", sagt Schulleiter Bruno Niederprüm. Deshalb hat er in dieser Woche mit dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Natur- und Geopark Vulkaneifel GmbH, Werner Klöckner, eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Das Ziel: In Gillenfeld entsteht die erste Naturparkschule in der Region. Klöckner, der auch als Bürgermeister der Trägerin der Schule, die Verbandsgemeinde Daun, an der Zukunft der Bildungseinrichtung interessiert ist, geht - augenzwinkernd - sogar noch einen Schritt weiter: "Meines Wissens nach ist es die erste Natur- und Geoparkschule der Welt."
Weltweit Aufsehen erregen will die Schule aber nicht, wohl aber im südlichen Teil des Kreises Vulkaneifel, ihr traditionelles Einzugsgebiet. Mit der Vertragsunterzeichnung ist der Startschuss für ein besonderes Angebot der Schule mit Blick auf die Verbesserung des Wissens rund um Erdgeschichte, Flora und Fauna der Vulkaneifel gefallen. "Die Naturparkschule ist ein wichtiges Element für uns, die Schön- und Besonderheiten unserer Heimat wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken. Und wo kann man damit besser anfangen als in einer Schule", sagt Andreas Schüller, Geschäftsführer des Natur- und Geoparks.

Regelmäßiger Austausch

Ein regelmäßiger Austausch zwischen Schule und Natur- und Geopark soll nun aufgebaut werden. Dazu gehört auch, dass die Schule auf die Kompetenz der Natur- und Geoparkführer bauen kann, die möglichst regelmäßig nach Gillenfeld kommen. Die Vereinbarung gilt für zunächst fünf Jahre, kann aber dann um den gleichen Zeitraum verlängert werden. Die Naturparkschulen basieren auf einer Initiative des Verbands der deutschen Naturparke (VDN), der sie in ganz Deutschland etablieren will. Natur- und Geoparkschule zu werden ist aber nur ein Baustein der Neuorientierung in Gillenfeld. "Das Gemeinschaftsgefühl der Klassen und die Sozialkompetenz der Schüler stärken: Das sind zwei Aspekte der geänderten Ausrichtung", sagt der Rektor. Ziel ist ein Alleinstellungsmerkmal für die Schule, um sich von anderen abzuheben. "Wir haben deswegen auch das Thema Gesundheit, das in der Vulkaneifel mittlerweile eine große Rolle spielt, aufgegriffen", berichtet Lehrer Mario Jehnen. Gesund meint in Gillenfeld auch gesundes Essen, wie es seit Sommer vergangenen Jahres in der Schulmensa angeboten wird. Viele der Produkte, die verarbeitet werden, haben nur einen ganz kurzen Weg bis in die Küche: Sie stammen aus dem eigens angelegten Schulgarten, in dem jede der 19 Klassen einen eigenen Bereich hat. Darüber hinaus sollen die Schüler deutlich häufiger als bisher in direkten Kontakt mit ihrer Umgebung kommen. Frei nach dem Motto: raus aus der Schule, rein in die Natur. Deshalb ist am Immerath-er Maar eine ehemalige Jagdhütte übernommen worden. Dort wird gelernt und gearbeitet, beispielsweise beim Heckenschneiden oder bei der Betreuung einer kleinen Schafherde, die im Maarkessel weiden wird.
Olivia, Julian und Lorens waren mit ihrer fünften Klasse schon in der Hütte. "Mir hat besonders gut gefallen, dass wir eine Igelburg gebaut haben", sagt Lorens (10). Julian (10) hat das Heckenschneiden besonders viel Spaß gemacht, Olivia (10) erinnert sich noch gern an den Aufenthalt am Maar, "weil es echt lustig war."
Offensichtlich haben sie Gefallen gefunden am - so die offizielle Bezeichnung - "außerschulischen Lernort Wunder Maar" in Immerath. "Wir wollen vorschlagen, dass wir möglichst bald wieder zur Hütte fahren", kündigt Lorens an.

Stephan Sartoris