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Gewaltige Urtapire neben zierlichen Urpferden

Neue Erkenntnisse durch weitere Fossilienfunde im 44 Millionen Jahre alten „Eckfelder Maar“ in der Vulkaneifel

Erste Beuteltiere nachgewiesen / Zahl der Primatenarten erhöht sich auf vier / Paarhufer besiedelten Eifel in großer Artenvielfalt / Gewaltige Urtapire lebten neben zierlichen Urpferden

 

Seit rund 23 Jahren gräbt das Naturhistorische Museum Mainz in seiner Funktion als Landessammlung für Naturkunde Rheinland-Pfalz im ältesten Maar der Eifel, dem vor 44,3 Millionen Jahren entstandenen Eckfelder Maar bei Manderscheid. Im Jahre 1994 wurde zuletzt zusammenfassend über die dort gefundene Säugetierfauna berichtet. Damals waren 13 Arten - darunter das weitgehend vollständige Skelett einer trächtigen Urpferdstute - präsentiert worden. 2003 kamen dann die ersten Primatenfunde hinzu, also Vertreter jener Ordnung, zu der wir Menschen zählen.

Im Rahmen eines Pressegespräches im Naturhistorischen Museum Mainz stellten Staatssekretär Walter Schumacher (Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur) sowie Kulturdezernentin Marianne Grosse als Vertreter der beiden Träger des international vernetzten Forschungsprojektes „Fossilfundstätte Eckfelder Maar“ gemeinsam mit dem renommierten Paläontologen und Spezialisten für die Evolution der Pferde und Primaten, Dr. Jens Lorenz Franzen, neue Fossilfunde vor und präsentierten dabei erstaunliche neue Erkenntnisse.

Die Bilanz: Nicht weniger als 28 Arten - also gegenüber 1994 eine stolze Verdoppelung der Artenzahl – sind inzwischen nachgewiesen. Dies bedeutet, dass wissenschaftliche Rückschlüsse auf die Position der Fossilfundstelle in der biologischen Zeitskala und auf damalige Umweltverhältnisse nun mit weit größerer Sicherheit gezogen werden können. Die Auswertung der 44 Millionen Jahre alten Fossilien liefert auch wichtige neue Erkenntnisse zum damaligen Stand der Entwicklung der mitteleuropäischen Säugetierfauna. Ihr Lebensraum - das Umfeld des ehemaligen Maarsees - war ein tropisch feucht-heißer Urwald.

Diese ökologische Einordnung der Fauna in das Unterholz am Rande diese Urwaldes erfährt durch die zahlreichen Neunachweise eine eindeutige und klare Bestätigung. Bemerkenswert ist zugleich die Biodiversität (Artenvielfalt) der Paarhufer mit nicht weniger als 11 verschiedenen Arten. Neben den zierlichen, in kleinen Herden lebenden Urpferden tauchten am Ufer des Kratersees sporadisch auch mächtige Urtapire auf.

Geradezu sensationell wirkt die Entdeckung von Beuteltieren, einer Gruppe, die wir heute als typische Bewohner Australiens kennen. Zur damaligen Zeit lebten in der Eifel allerdings keine Kängurus in den Wäldern um den Kratersee von Eckfeld. Es waren vielmehr Tiere, die Beutelratten ähnlich sahen, wie sie heute noch in Gestalt von Opossums in den Wäldern Nord- und Südamerika heimisch sind. Zur Zeit des Eozän lebten sie auch in Europa - in Eckfeld kamen nun gleich zwei Arten zum Vorschein.

Einen weiteren Höhepunkt der Mainzer Forschungen stellen die neuen Funde von Primaten dar. Es sind Vertreter der Adapiden, einer Familie von Halbaffen, die man bislang in Europa erst aus jüngeren Ablagerungen kannte. Damit erhöht sich die Zahl der aus Eckfeld bekannten Primatenarten von zwei auf nunmehr vier, das ist eine Art mehr als bislang aus der weltbekannten Fossilfundstelle Messel bei Darmstadt bekannt sind.

Finanziert werden die Forschungsgrabungen und die damit verbundenen Untersuchungen - soweit diese von Mainz aus erfolgen - gemeinsam von der Landeshauptstadt Mainz und dem Land Rheinland-Pfalz.